Achtung: Svalbard 2003

Sailing to the limits again


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www.katisu.de

Rückblick

Seit unserer Abreise am 12.7. haben wir in 55 Tagen 4.400 sm gesegelt, dabei 17 Häfen angelaufen und 4 mal geankert. Außer dem Skipper waren 15 weitere Crewmitglieder (davon 6 Frauen) an unserer Spitzbergenreise beteiligt. Alle haben eine Menge dazu gelernt, das war ja unter anderem der Zweck dieser Reise. Es war meine erste Fahrt in norwegische Gewässer und ich muss gestehen, ich bin begeistert von Norwegen. Unser Ziel Svalbard zu umsegeln konnten wir aufgrund der Eissituation nicht erreichen. 2003 war ein Jahr mit einer aussergewöhnlich weit nach Süden reichenden Eisgrenze. Svalbard war mit seinen Gletschern und hohen Bergen, den tief ins Land einschneidenden Fjorden und der Mitternachtssonne ein grosses, allerdings durch die Unmengen an Kreuzfahrttouristen und behördlichen Auflagen doch reichlich beeinträchtigtes Erlebnis. Daher war der eigentliche Höhepunkt der Reise die Lofoten, eine unvergleichbar schöne Landschaft, zumal das Wetter mitspielte - hochsommerlich warm und Sonnenschein. Kaum andere Yachten, leere Stege in malerischen, einsamen, verträumten und durch vorgelagerte Inseln und hohe Felswände geschützten Häfen. Das Segeln an sich war sportlich und anspruchsvoll, auf allen 3 Etappen hatten wir Stürme, in denen sich Crew uns Schiff bewähren mussten. Die Harmonie in allen Crews war sehr gut, wir hatten immer viel Spass an unserer Reise. Und das ist doch wohl das wichtigste, oder?

Notiz vom 4.9.2003, Cuxhaven

Leider haben wir die letzten Meilen bis Cuxhaven unter Motor zurück gelegt, der Wind war absolut zu schwach. Dafür war es aber ein sonniger, warmer Tag und die Crew zeigte jede Menge Haut. Bei der SVC erwartete uns zur Begrüßung eine Trans-Ocean Abordnung, angeführt von Kommodore Helmut Bellmer persönlich!! Freunde brachten frisches kühles Bier an Bord und selbst die Presse ließ sich sehen, wir waren wieder daheim!!!
Im Ahab haben wir uns schliesslich die Roaring Isettas mit lautstarker Musik aus den 70ern endgültig die Stille der norwegischen Fjorde und Sunde aus den Gedanken vertrieben. Zurück im wirklichen Leben?

Notiz vom 3.9.2003, Helgoland

Die 334 sm von Haugesund bis Helgoland sind wir mit einem Schnitt von 6,6 kn bei NW-W auf einer langen geraden Linie abgesegelt, die fast identisch mit der Kurslinie bei der Ausreise war. Während einer Nachtwache haben wir sogar einen Schnitt von 8,8 kn erreicht. Leider war der Wind in Karmsund und vor der norwegischen Küste sehr schwach, was einen besseren Schnitt verhinderte. Ansonsten haben wir seit Tromsö keine einzige Wende gefahren. Offensichtlich hat Rassmus unser Wodka geschmeckt. Auf Helgoland gabs außer den ersten knackigen Brötchen zum Frühstück (positiv) den üblichen Touristenansturm (negativ) und einige schöne, kühle Bierchen! Und Bernd, der uns auf der Reise mit Frischfisch versorgen wollte, brachte auf Helgoland tatsächlich seine beiden ersten Fische an, Makrelen. Gekaufte???

Notiz vom 1.9.2003, Karmsundet

Eigentlich wollten wir ja durch den Bömlasfjord 60 sm südlich von Bergen in die offene See, aber der innere Seeweg hat uns so gut gefallen, dass wir nach kurzer Nachtruhe in Haugesund unseren weiteren Kurs nach Süden durch den Karmsund gelegt haben. Den haben wir inzwischen bei ruhiger See und Sonnenschein passiert, wir verlassen Norwegen jetzt endgültig. 300 sm weiter im Süden wartet Helgoland.

Notiz vom 31.8.2003

Notiz vom 28.8.2003, Alesund

Die 390 sm von Reine auf den Lofoten nach Alesund haben wir in 67 Stunden gemacht. Dank 8 Bft. aus Nord machten wir zwar 162 sm in den ersten 24 Stunden, aber was dann kam war segeln zum abgewöhnen. Wenig Wind, immernoch aus nördlichen Richtungen, aber weiterhin hohe alte See mit Rollern weit vom Atlantik her. Wild schlagende Segel, 50 % der Crew seekrank, ständig Regenschauer und eine ganze Reihe Halsen, absolut no fun. Alesund ist eine sehr schöne Stadt mit vielen Jugendstilhäusern, wir liegen mitten im Stadthafen, sehr ruhig. Der Abend wurde uns durch ein Musikfestival versüsst, u. a. das Orchester der Skilehrer von Saalbach-Hinterglemm. Die Norweger waren ganz aus dem Häuschen, standing ovations, aber unsere alpenländischen Nachbarn zogen auch eine gewaltige Show ab. Heute gehts weiter nach Bergen.

Notiz vom 25.8.2003, Reine

Nach Stops in Brettesnes, dem Trollfjord und Reine werden wir heute die Lofoten Richtung Alesund verlassen. Die Bergwelt der Lofoten und die hübschen kleinen Ansiedlungen werden in Erinnerung bleiben. Hoffentlich hält der Nordost noch etwas an und bringt uns weit nach Süden. Schiff und Crew freuen sich auf den langen Schlag über See.

Notiz vom 22.8.2003, Harstad

Gestern haben wir mit der neuen Crew (Dagmar Haeckel, Pia Hofbauer, Uta Botterbrod, Bernd Hoffmann und Helmut Bischofberger) Tromsö verlassen und sind über diverse Sunde Richtung Heimat aufgebrochen. Die wenigen Nachtstunden haben wir in einem kleinen Yachthafen verbracht und sind heute schon wieder 9 Stunden unter Motor unterwegs gewesen, ehe wir Harstad erreichten. Hier liegt die Anna Rogde, ein sehr schöner alter Schoner, angeblich der älteste noch segelnde der Welt. Wer sich für alte Schiffe interessiert findet mehr unter www.annarogde.no. Wir wollen heute noch etliche Meilen nach Süden machen

Notiz vom 18.8.2003, Tromsö

4 1/2 Tage nach unserem Start zur Rückreise in Longyearbyen sind wir wohlbehalten in Tromsö angekommen. Den Isfjord haben wir noch unter Motor verlassen, die erste Nacht war eine lange Kreuz, aber von der Südspitze Spitzbergens an ging es in einer geraden Linie nach Süden. Ost- und später Nordost 2-3 brachten ausser Meilen auch problemloses Segeln, bis der Wind leider vollkommen eingeschlafen ist und mal wieder der brave Bukh herhalten musste. Tromsö haben wir über dan Hamrefjorden, Langsund und Grotsund erreicht. Hier sind die Temperaturen sommerlich warm und der Himmel zeigt sein schönstes blau. Aber in den Nächten wird es schon wieder für kurze Zeit fast dunkel. Das Polarmuseum hier in Tromsö ist absolut sehenswert, wir haben eineige Stunden dort verbracht. Dieter, Ingrid, Gisela und Klaus werden das Schiff hier verlassen. Peter erhielt bereits in Longyearbyen den dringenden Ruf in die Heimat, berufliche Probleme! Das hat man davon, wenn man ein Handy dabei hat. In 2 Tagen trifft die neue Crew ein, dann gehts über die Lofoten weiter Richtung Heimat.

Notiz vom 11.8.-13.8.2003, Longyearbyen

Als der Wind etwas nachließ sind wir mit der kleinen Fock und dem 3. Reff im Gross auf die lange Kreuz nach Süden gegangen. Wind immernoch genau auf die Nase. Aus den direkten 100 sm wurden insgesamt 200 gesegelte Meilen, wir waren 37 Stunden unterwegs. Erst auf den letzten Meilen hat der Wind nachgelassen und wir sind mit Motorkraft wieder in Lonyearbyen am Steg gelandet. Nach einer kurzen Erholungspause wollen wir noch heute nach Tromsö weitersegeln.

Notiz vom 10.8.2003, Magdalenenfjord

Nach dem Auslaufen in Virgahamma sind wir auf dem Rückweg nach Süden in einem Kuhsturm gelandet. Strom und Wind gegenan, für etwas über 10 sm haben wir fast 8 Stunden gegenan gekreuzt. Schliesslich haben wir wieder im Magdalenenfjord geankert, dort hatte schon ein Schwede vor dem Sturm Schutz gesucht. Vom Gletscher herunter kamen so harte Böen, dass schliesslich der Anker des Schweden nicht mehr hielt und das Schiff kurz vor dem stranden war. Wir haben sofort diese unsichere Bucht verlassen und auf eine Wetterbesserung wartend, uns erst mal im Fjord treiben lassen und dann unter Motor wieder Luv gemacht. Nach eineigen Stunden sind wir zurück in den Smeereburgfjord und haben dort im Schutz einer Felswand geankert und eine Ankerwache aufgestellt. Trotz härtester Böen, die im Fjord das Wasser hochrissen und als nasse Wolke vor sich her jagden, hielt unser Anker.

Notiz vom 9.8.2003, Virgohamna

Vor dem Starkwind aus Süden fanden wir in dem geschützten Virgohamna einen guten Ankerplatz. Beim Landgang konnten wir den Schrott von Andree und Wellmann besichtigen, den beide nach ihren vergeblichen Versuchen mit einem Ballon den Nordpol zu erreichen hinterlassen haben. Ausserdem die typischen Hinterlassenschaften der Walfänger, Gräber und Tranöfen.

Notiz vom 8.8.2003, Magdalenenfjord

Eine grossartige Naturkulisse erwartete uns hier und ein scheinbar sicherer Ankerplatz. Beim Landgang wurde uns der Zutritt von einem Polizisten, der wegen der abermals zig-tausend Touristen hierher abgeordnet ist, wegen einem Eisbären zuerst verwehrt. Schliesslich konnten wir uns doch frei bewegen und den Bären durch ein Fernglas beobachten: sehr gross, aber alt und vollkommen abgemagert. Wir wurden aufgeklärt, dass gerade diese alten Bären besonders gefährlich seien. Ansonsten sahen wir alte Tranöfen und ein Gräberfeld, beides aus den Zeiten der Walfänger.
Nach dem durchsegeln des Smeerenburgfjordes sind wir bis über 80 Grad Nord gesegelt, dann aber wegen des immer stärker werdenden Südwindes und in Ermangelung von Zeit wieder zurück gekreuzt.

Notiz vom 7.8.2003, Ny Alesund

ist heute die nördlichste Dauersiedlung der Welt. Einst eine Bergwerkssiedlung wird hier heute von vielen Nationen nach Herzenslust geforscht. In den 20ern starteten hier die Flugpioniere Byrd (erster Flug über den Nordpol), Amundsen und Nobile (Flug über den Pol bis Nome in Alaska) und machten damit die kleinere Siedlung weltweit bekannt. Heute strömen mit den Kreuzfahrtschiffen zigtausende Touristen durch den Ort und wir Segler, die wir Ny Alesund nach einem schönen Segeltag entlang der Westküste von Prins Karls Forland erreicht hatten, fühlten uns auf Grund der vielen Verbotsschilder und Staubfahnen der PKW der Forscher wenig wohl.

Notiz vom 5.8.2003, Longyearbyen

Wieder in Longyearbyen, wir hatten Probleme mit der Steuersäule. Die haben wir total auseinander genommen, drei neue Kugellager eingesetzt und dann wieder eingebaut. Die Lager waren ausgeschlagen und zum Glück hatte ein hiesiger Mechaniker die notwendigen Lager vorrätig. War eine riesen Arbeit, aber jetzt sind wir fit für den weiteren Weg nach Norden, Ny-Alesund wird unser nächster Stop sein, ca. 120 sm von hier.

Notiz vom 2.8.2003, Pyramiden

Mit einer schönen achterlichen Brise sind wir von Longyearbyen nach Pyramiden gesegelt. Pyramiden ist eine aufgelassene Bergarbeitersiedlung der Russen. Es waren noch 7 Russen dort, ein Generator lief, ansonsten total tote Hose. Leere Wohnblocks, in denen die Fenster der Erdgeschosse mit Brettern zugenagelt sind. Möwen haben von den Fensternischen Besitz ergriffen und nisten dort. Vladimir, einer der Russen, machte eine Führung für uns, Schwimmhalle, Sporthalle, Museum (ein beieindruckender Eisbär), Bibliothek, die Büste Lenins überschaut einen menschenleeren Platz. Das Bergwerk selber hoch am Berg, mit langen Förderbändern vom Tal aus. Auf dem Berg Antennen, wohl aus den Zeiten des kalten Krieges, Spionage? Wir waren uns einig, das war ein Stop, der in Erinnerung bleiben wird. Abseits der Siedlung eine Hütte aus leeren Wodka-, Sekt- und Weinflaschen, ein Glaspalast. Offensichtlich ein Partyplatz. Ansonsten überall Schrott, die Russen haben bei ihrem Auszug alles stehen und liegen gelassen. Hier könnte man "nach Atomkrieg-Filme" drehen!

Notiz vom 1.8.2003, Longyearbyen

Der Schaden am Motor hat sich schließlich als eine einfache Verstopfung der Leitung vom Tank zum Motor herausgestellt. Jetzt haben wir im Tank einen Filter vorgeschaltet, das Problem dürfte ein für alle mal beseitigt sein. Inzwischen ist die alte Crew schon in der Heimat und die "Neuen" gewöhnen sich an das Schiff. Da uns auch der Sysselmannen nach Vorlage einer Bankgarantie über € 12.500,- inzwischen die ERlaubnis erteilt hat, als "Individual travellers" Svalbard zu bereisen, steht unserer Weiterreise nichts mehr im Wege. Die Sonne ist endlich heraus gekommen und es ist schön warm. Allerdings können wir uns die Umrundung von Svalbard abschminken, das Eis im Norden will nicht weichen. Wir wollen versuchen, 80 Grad Nord zu erreichen und dann entlang der Westküste zurück nach Süden segeln, Tromsö soll der letzte Hafen sein. Zur neuen Crew gehören Ingrid und Dieter Feneberg, Klaus Luick, Peter Franke und des Skippers Weib Gisela.

Notiz vom 28.7.2003, Longyearbyen

Hallo Freunde, wir sind nicht abgesoffen oder im Eis verschollen. Der Grund für das lange Schweigen ist simpel, der Laptop macht das Orbcom-Programm nicht mehr auf, damit ist die Verbindung in die Heimat abgerissen. Sorry. Hier nun in aller Kürze der weitere Verlauf des Spitzbergen-Törns. Von Bodö sind wir nach Stamsund, einem kleinen Hafen der Lofoten. Die Einfahrt durch die vorgelagerten Felsen und Inseln war bei einer Stromleitung zu Ende, laut Seekarte Durchfahrtshöhe 24 m, das entspricht unserer Masthöhe über Wasserlinie, also rückwärts wieder raus und in eine Nachbarbucht. An einem Privatsteg fanden wir neben einem Fischer Platz, der fand das aber gar nicht gut und hätte uns am liebsten zum Teufel gejagt. Zum Trost haben wir ihm die letzte Flasche des wirklich starken belgischen Bieres überlassen, hoffentlich hat er anständige Kopfschmerzen bekommen!? Ohne Wind ging es durch zahlreiche Fjorde weiter nach Norden und als wir die offene See erreichten kam endlich Wind auf. Den Kurs auf die Bäreninsel konnten wir nicht lange halten, der Wind erreichte Sturmstärke, es wurde saukalt, wir mußten kreuzen um Nord zu machen. Das waren harte Tage im Europäischen Nordmeer, aber nach 4 Tagen kam Spitzbergen in Sicht und bei unserer Einfahrt in den Hornsund endlich auch die Sonne raus. Der Hornsund selber war mit seinen Gletscherabbrüchen, dem treibenden Eis und den interessanten Bergen der Höhepunkt unserer Reise. Wir haben Herbert udn Günter im Schlauchboot ausgesetzt und Wolfies Toy vor dem Gletscher fürs Starfoto in Positur gebracht. Armer Herbert, wenn die Fotos nichts geworden sind. Auf der Weiterfahrt nach Longyearbyen setzte der Motor aus und all unsere Mühen ihn wieder zum Laufen zu bringen waren erfolglos. So trieben wir einen ganzen Tag wenige Meilen vor dem Ziel in Isfjord. Alle Leiden haben irgendwann ein Ende, Longyearbyen war erreicht, nach rund 1800 sm von Cuxhaven aus. In einer zukünftigen Kneipe feierten wir unsere Leistung und selbst Tina hatte plötzlich wieder Appetit und verspeiste die größte Pizza, die auf der Speisekarte stand.

Notiz vom 22.7.2003

Nach faulen 36 Stunden in Bodoe sind wir auf dem Weg zu den äusseren Lofoten. Leider ohne Wind, der Bukh rattert gnadenlos sein eisenhartes Lied. Wir wollen nach Stamsund auf Vestvaago und von dort nach kurzem Aufenthalt weiter nach Spitzbergen via Baereninsel. Bodoe ist eine moderne Kleinstadt, ohne alte Bausubstanz, die haben leider unsere Väter zerbombt. Was danach wieder aufgebaut wurde, ist nicht unbedingt Sehenswert. Die Landschaft rundherum allerdings, hohe Berge und viele kleine Inseln, war im Licht der Mitternachtssonne und den Resten der Wolken unseres Tiefs beeindruckend. Pünktlich zum Einlaufen kam die Flaute. Der gesamten Crew gehts blendend, jeder hat Appetit und wir haben eine ganze taghelle Nacht durchgeschlafen. Es war sehr warm, kein Vergleich mit den Temperaturen in Canada 2001! Ansonsten ist der Skipper beleidigt, weil keiner der Crew bemerkt hat, dass er beim Friseur war. Auch der Koch ist nicht bester Laune, Tina zog alte Nudeln mit Ketchup seinem Sauerkraut mit Kartoffelbrei und Würstchen vor. Das Leben auf See ist hart.

Notiz vom 21.7.2003

Heute um 5.00 Uhr in Bodoe angekommen

Notiz vom 20.7.2003

Wir haben den Polarkreis übersegelt, das kleine Tief, welches uns den Südwest brachte, begleitet uns immer noch. Es hat wärmere Temperaturen und direkte Meilen zum Ziel Bodoe (in den letzten 24 stunden 180 sm) gebracht, aber leider auch schlechte Sicht bei bedecktem Himmel. Herbert, Gunter und Hans feierten Polarkreistaufe mit einem zünftigen Drink (1 Teil Meerwasser aus dem Polarmeer, 2 Teile Eiswodka aus Kanada, Tomatenmark, Knoblauch, Chillisauce, Tabasco und Zitronensaft) Tina wurde zu ihrem äussersten Bedauern wegen zu jung zum zum von dieser Orgie ausgeschlossen, und Schorsch ist ja schon ein alter Polarfuchs, der durfte auch nicht. Ansonsten macht Tina Fortschritte und scheint wieder ganz ok zu sein, vom Linseneintopf verlangte sie Mittags einen Nachschlag und freut sich auf die Nudeln zum Abendessen!!!! Noch etwas über 50 sm bis Bodoe, wir werden mitten in der Nacht ankommen, aber die gibt es hier nicht mehr. Es ist 24 Stunden am Tag hell. So, Schluss für heute, ich muss zurück zum sonntäglichen Capucino und zartem Gebäck, sonst gehe ich leer aus, die Crew ist gnadenlos.

Notiz vom 19.7.2003

Endlich ist der lang erwartete Winddreher eingetroffen, nach einer kurzen Flaute haben wir jetzt Südwest und laufen platt vor Laken direkten Kurs zu den Lofoten. Alle geplanten Zwischenstops sind dem Nordost zum Opfer gefallen. Das rauhe Segeln - Wind gegen den Rest vom Golfstrom - hat Tina auf dem Gewissen, unsere Lütte leidet und verwegert den Verzehr weiterer Eintöpfe. Aber jetzt vor dem Wind wird es ihr hoffentlich bald besser gehen. Der Rest der Crew geniesst schon das aufrechte segeln, die Ballasttanks gähnen vor Leere. Endlich haben wir auch Leben im Meer entdeckt, eine Schule Waale hat uns kurz besucht. Die Meldung der Backbordwache, die kurz vor Bergen Elche gesehen haben will, die den Fjord durchschwammen, wird von der Steuerbordwache mit Skepsis aufgenommen. Allerdings ergab die Überpruefung der Bierlast keinen besonders hohen Schwund. Kann Herbert neuerdings Seemannsgarn spinnen? Ich denke, wir werden Montag in Bodoe sein. Von dort aus sind in früheren Zeiten viele Nordmeerexpeditionen aufgebrochen, das wäre doch auch ein interessanter Stop fuer uns.

Notiz vom 18.7.2003

Seit über 30 Stunden bolzen wir gegen einen Wind aus Nordost an, zwischendurch auch noch ein Gewitter mit Böenwalzen und Winddrehern um 90 Grad, nicht gerade traumsegeln. Es hat uns weit von der Küste abgebracht (die handys haben Schonzeit) und wir brauchen dringend einen für uns günstigen Winddreher. Hier auf 64 Grad Nord wird es langsam auch Kälter, die kurzen Hosen sind an Bord eingepackt worden. Vielen Dank füer die Grüsse aus Belgien und vom Bodensee, gut zu wissen, das jemand an uns denkt!

Notiz vom 17.7.2003, Bergen/Norwegen

Bei Windstille aus Bergen ausgelaufen und unter Maschine Nord gemacht. Immernoch Sonnenschein und angenehm warm, gegen Mittag kam Wind auf, leider aus der falschen Richtung, wir müssen kreuzen. Ob wir Alesund anlaufen hängt von unserem Vorankommen ab. In Bergen haben wir vor dem Auslaufen schnell noch den Namen aufs Schiff geklebt, wurde aber auch langsam Zeit. Ansonsten haben wir trotz der grossen Hitze das Stadtleben mit Kneipen und Cafes genossen, und natürlich geduscht, was sehr nötig war. Es riecht wieder erträglich an Bord.

Notiz vom 16.7.2003, Bergen/Norwegen

Wir sind in Bergen, Zeit für Tina, unserem Küken, zu berichten: Als mein Paps und ich am Freitagabend beim Schiff ankamen, musste ich zuerst einmal die Breite des Schiffes und die Höhe des Mastes bewundern und wie sich später rausstellte waren dementsprechend auch die Segeleigenschaften genial. Auf Grund "kleinerer" Arbeiten wurde die Abfahrt um einen Tag verschoben und es blieb Zeit die Crew kennen zu lernen. Natürlich sind alle ganz nett, Problem ist bloss, dass alle, bis auf einen, aus Bayern kommen und ich, bis auf wenige Wortbrocken, nichts verstehe. Montagfrüh ging es dann los und schon die riesigen Schiffskolosse im Nord-Ostseekanal waren beeindruckend. Nach Cuxhaven haben wir dann die Segel gesetzt und mir wurde auf einmal extrem übel. Als ich abends dann noch Wolfgangs Hühnereintopf mit Sellerie essen musste, hat es mir beinahe den Rest gegeben. Hinter Helgoland fühlte ich mich wieder besser und wir hatten einen wunderschönen Sonnenuntergang und eine bezaubernde Vollmondnacht. Am Montag blieb uns die strahlende Sonne erhalten, die See war beinahe spiegelglatt, und dennoch rauschten wir mit einem Affenzahn über den Skagerrak. Am Dienstagmorgen war mir leider wieder etwas schlecht, durch die Nachtwache war ich hundemüde und dann kam SIE wieder - eine Flut von Sp__gen (? Webmaster kann das nicht entziffern), der ich sonst mühelos stand halte, machte mich in meiner muffligen Morgenstimmung nun völlig platt :o). Als ich dann aber die faszinierend schöne felsige Küste Norwegens sah, ging es mir blendend. Ebenso faszinierend sind die Nächte hier oben, in denen es nicht mehr dunkel wird. Heute, nun in Bergen liegend, bin ich schon ganz entspannt, was mich in den nächsten Tagen erwarten wird. (Nebenbei noch ein grosses Küsschen an Mausi und meine Familie. Tina)

Notiz vom 15.7.2003, Norwegen

Leider ist der Wind im Laufe des Tages eingeschlafen und wir haben auf den guten alten Bukh-Wind umgestellt. Unsere Maschine bringt uns brav weiter nach Norden. Es war ein sonniger Tag, unerwartet warm, warum haben wir eigentlich eine Heizung eingebaut? Im Laufe der Nacht werden wir in das Schärenfahrwasser von Bergen einlaufen, Bergen werden wir wohl am frühen Morgen erreichen. Wohl Zeit einmal die Crew von Wolfies Toy auf dieser Reise vorzustellen: Herbert Weingaertner, gehört von Anfang an zum Team, Weggefährte vieler Hochseeregatten, Schorsch Petzold, war schon auf der Reise in die kanadische Arktis dabei, Gunter Binkowski und seine Tochter Tina, der Vater hat schon eine Menge Hochseemeilen auf dem Buckel, für Tina ist es die erste grosse Reise, ebenso für Hans Gurtner. Wir haben uns schnell zu einer Crew entwickelt, mit der man bis auf 80 Grad Nord segeln kann. Demnächst mehr, Tina bringt gerade ihre ersten Eindrücke zu Papier!

Notiz vom 15.7.2003, Norwegen

Seit dem frühen Morgen haben wir die norwegische Küste in Sicht, unsere Kurslinie von Helgoland nach Norden ist ein einziger gerader Strich. Östliche Winde und glatte See lassen Wolfies Toy mit 8 kn dahin gleiten. Alle sind sich einig, ein Traumstart unserer Norwegen-Reise. Nachts wird es schon nicht mehr richtig dunkel, im Norden ist immer ein heller Strich am Horizont. So kann die Reise weitergehen.

Notiz vom 14.7.2003, Nord-Ostseekanal / Deutsche Bucht

Am frühen Morgen haben wir Borgstedt und die Raderinsel verlassen und sind über Brunsbüttel und die Elbe in die Nordsee gefahren. Nach Helgoland drehte der wind auf nordost und jetzt segeln wir auf direktem Kurs nach Norwegen. Es war eine ruhige erste Nacht auf See und der heutige Tag verwöhnt uns mit wolkenlosem Himmel und Sonnenschein, Wind immer noch aus der richtigen Richtung. Die Stimmung an Bord ist prima. Herbert fragt sich bei diesem Kaiserwetter, ob wir im Mittelmeer oder der Nordsee sind. Aber nach all der Schufterei auf der Raderinsel haben wir diesen schönen Tag verdient. An alle vom Schreiber-Team nochmals ein herzliches Dankeschön für die grossartige Unterstützung.

Notiz vom 3.7.2003, Rendsburg

Letzte Vorbereitungen für unseren Spitzbergen-Törn. Heute haben wir auf der Kieler Förde erstmals in dieser Saison Segel gesetzt und einen Probeschlag zum Leuchtturm gesegelt. Alles o. k. Die umfangreichen Überholungsarbeiten der letzten Monate sind abgeschlossen, es kann losgehen. Wenn die Crew so fit ist wie das Schiff kann nix schief gehen. E-mails für die Crew schickt ihr am besten über unsere Heimatadresse teamquix@t-online.de

Folgende Etappen sind vorgesehen:

Törn 1, 12.07. - 29.07.03 Cuxhaven-Bergen-Lofoten-Bäreninsel-Longyearbyen/Spitzbergen Crew vollständig
Törn 2, 30.07. - 19.08.03 Rund Spitzbergen-Hopen-Bäreninsel-Tromsö Crew vollständig
Törn 3, 20.08. - 06.09.03 Tromsö -Lofoten-Helgoland-Cuxhaven Crew vollständig


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